Wollen wir das nicht alle? Gemeinschaft leben und ein Teil von ihr sein. Doch wie geht das? Wie kann ich ein Teil von einer Gemeinschaft sein, ohne mich zu verstellen, nur halb zu zeigen oder mich anzupassen?
Sich ganz zu zeigen, in jeder Gemeinschaft. Wer kann das und wer macht das? Ist es nicht so, dass man oft nur den Teil von sich selbst zeigt, welcher am besten in diese Art der Gemeinschaft passt? Was man dabei macht, ist, sich im besten Licht zu präsentieren. Genau das ist in unserer Gesellschaft wichtig geworden. Doch genau das macht jeden einzelnen auch ein Stück unecht, unnahbar und unsichtbar. Doch das ist nicht alles, es macht auch diese Gemeinschaft zu einer künstlichen Gemeinschaft. Sie hat kein stabiles Fundament und sie kann niemandem Halt geben.
Wenn man Gemeinschaft genau definiert, ist das der Überbegriff für viele Lebensweisen. Eine Familie ist eine Gemeinschaft, eine Partnerschaft ist eine Gemeinschaft, Freundschaft ist Gemeinschaft, Schule, Kindergarten, Freundeskreis, Arbeitsteam/ Arbeitsplatz, Vereine, etc. Wenn überall nur ein Teil von dir gelebt ist, brauchst du entweder viele verschiedene Gemeinschaften, um komplett zu sein oder du bist ein Mensch, der irgendwie immer ein Geheimnis hat. Es braucht sehr viel Energie, um sich immer wieder der Gemeinschaft und dessen Anforderungen anzupassen. Mehr als es brauchen würde, dich immer ganz zu zeigen, mit all deinen Talenten und Einzigartigkeiten, welche du versuchst in gewissen Gemeinschaften zu verstecken. Stell dir mal vor, egal wen du triffst, wo du dich befindest, du darfst komplett sein und du zeigst dich ganz. Wie fühlt sich das an? Ich empfinde das als so viel einfacher, leichter, ehrlicher. Denn so weiß jeder, wer ich bin.
Viele haben Angst, wenn sie sich ganz zeigen. Angst nicht mehr dazu zu gehören. Doch wenn ich aus Angst mich klein mache, verändere oder anpasse um dazu gehören, was soll das für eine Gemeinschaft, und was für ein Leben sein? Was wird aus all den tollen Potenzialen, welche du mitgebracht hast? All das, was durch dich gelebt werden möchte?
Was du mit dir machst, wenn du dich anpasst oder so benimmst, dass du dazu gehören kannst, ist, dich selbst und diesen Teil von dir abzulehnen.
Das macht auf Dauer krank und hinterlässt in dir ein Gefühl von Einsamkeit. Dieses Gefühl muss ausgeglichen werden, was oft dazu führt, dass man emotionslos wird. Alle Gefühle werden nur noch oberflächlich gefühlt. Um diese Oberflächlichkeit ertragen zu können, sucht man sich immer mehr Hilfsmittel, um sie zu erhalten. Alkohol oder Drogen, Süchte in jeglicher Form, Konsum von schlechten Lebensmitteln oder Medien sind hier dankbare Hilfsmittel, um an der Oberfläche zu schwimmen.
Nur der Teil von dir, der dich besonders macht und einzigartig, der bleibt ganz tief in deinem Inneren verborgen. Der darf nur gelebt werden, wenn du vielleicht allein bist, oder in Form von einer Sehnsucht. Je länger dieser Teil verborgen bleibt, um so mehr weiß man gar nicht mehr was man vermisst. Das kann wiederum zu Unzufriedenheit führen oder passive Aggressivität oder Wut und dazu führen, dass Konsum in jeglicher Form steigt.
Je länger man so lebt, verliert man jedes Gefühl für Grenzen. So lässt man die eigenen Grenzen übertreten und übertritt die Grenzen der anderen. Ein Gefühl von Gleichgültigkeit schwingt immer mehr mit. Man ist so angepasst an dieses Gemeinschaftssystem, und hat das Gefühl, dass es ja nur so geht, dass man jeden, der nicht in diese Norm passt, dazu bringen möchte dazu zu passen. Deshalb werden Kinder häufig emotional erpresst, damit sie in diesem System funktionieren. Grenzen von sich selbst und anderen vor allem von Kindern, werden maßlos überschritten. Und in solchen Gemeinschaften leben wir oft Tag täglich.
Doch was wäre Gemeinschaft eigentlich? Eine Gemeinschaft braucht Individualität. Eine Gemeinschaft braucht Tiefe, Ehrlichkeit, Wertschätzung und die Freude an besonderen und einzigartigen, wahrhaftigen Menschen.
An dieser Stelle möchte ich nochmals erwähnen, dass Familie, Freundschaften, Arbeit, Vereine, Partnerschaft, etc. Gemeinschaften sind.
Wenn alle Emotionen gelebt sind, und man sein ganzes Wesen einfließen lässt, dann gibt diese Gemeinschaft schon allein deshalb so viel Halt, weil du du sein darfst.
Sich selbst sein gibt Halt und fördert Nähe zu dir selbst und zu anderen. Sich selbst sein, bedeutet seinen Raum einnehmen und zu spüren, wo die eigene Grenze ist und die von anderen. Wenn man sein ganzes Sein in eine Gemeinschaft einfließen lässt, braucht man niemanden zu degradieren oder schlecht zu machen, in einer solchen Gemeinschaft geht es darum, jeden dabei zu begleiten noch mehr zu Strahlen, seinen Wert zu erkennen und zu leben. In einer solchen Gemeinschaft geht es darum, dass man sich am Erfolg und am Potenzial des anderen erfreut, weil man weiß, dass es einem Selbst auch helfen kann, so jemanden zu kennen. Jeder ist wertgeschätzt. In dieser Gemeinschaft gibt es keine Schwere oder Süchte, es gibt keinen Missbrauch durch emotionale Erpressung oder Grenzüberschreitung. In dieser Gemeinschaft überwiegt die Freude, dass jeder einzigartig sein darf und sein ganzes Wesen zeigen darf. Die Angst, dass man in einer solchen Gemeinschaft unsichtbar bleibt, ist überflüssig. Denn wer noch nicht sichtbar ist, der wird von dieser Gemeinschaft begleitet sichtbar zu sein, für sich und alle anderen. Diese Gemeinschaft gibt Halt und gibt jedem Lebensraum, Freiheit, Frieden und Leichtigkeit. Jeder darf Teil von ihr sein und jeder ist willkommen, anerkannt, wertgeschätzt und geliebt.
Ich lade dich ein in Gemeinschaft zu fühlen. Wie fühlt es sich in deinen Gemeinschaften an, ich welchen du dich befindest. Bist du ganz du in deinen Gemeinschaften? Wie fühlt sich die Gemeinschaft an, welche ich zum Schluss beschrieben habe?
Herzensgrüße
Ingrid


